Im Juli 2016 besuchten wir die in allen Reiseführern über Madeira angepriesene Markthalle von Funchal. Und um es vorweg zu sagen: Es war eher eine Enttäuschung.

 

Funchal ist die Hauptstadt der Insel Madeira, rund 950 km vor der Küste Portugals mitten im Antlantik gelegen. Haupteinnahmequelle der Insel ist zwar der Tourismus, doch gibt es noch eine ausgeprägte Landwirtschaft. Auf angelegten Terrassen an den Steilhängen der vorwiegend felsigen Insel werden zumeist Südfrüchte wie etwa Passionsfrucht und Bananen angebaut, aber auch Wein und im Gegensatz zu früher, wo das Hauptexportprodukt der Insel Zuckerrohr war, eben in kleinem Maße Zuckerrohr. Da die Insel auf einem Vulkansockel liegt, fällt die Küste steil ins Meer ab, so dass die Fischgründe eher bescheiden sind. Meistgefangene Fische sind der Degenfisch - ein Tiefseefisch - Thunfisch und Merlin.

Foto aus dem Baedeker Reiseführer Madeira
Foto aus dem Baedeker Reiseführer Madeira

Die Markthalle "Mercado dos Lavradores" liegt genau in der Innenstadt von Funchal und erstreckt sich über zwei Etagen um ein Atrium herum. Im vorderen und unteren Bereich werden Obst und Gemüse ausgestellt, im hinteren Bereich ist die Fischhalle zu finden. Einige wenige Fleischanbieter stellen ihr Sortiment in angegliederten Geschfäfte aus. Des Weiteren kann man noch verschiedene Kräutergeschäfte finden, sowie Cafès und Blumenläden. In den Reiseführern wird die Markthalle angepriesen als ein Highlight. Die dazugehörigen Fotos versprechen viel, halten ihr Versprechen jedoch nicht. Die Fülle an Südfrüchten, wie im Reiseführer beschrieben, existiert nicht mehr. Das Atrium ist verweist und die Obst- und Gemüsehändler bieten ihre Produkte in den Seitenhallen und in der ersten Etage an. Ihre Kundschaft sind hauptsächlich die angelockten Touristen. Und diese werden fast schon genötigt, Obst oder Gemüse zu probieren. An jedem Stand wird man gleich von mehreren Verkäufern angesprochen.

 

Lediglich die Fischhalle im hinteren Bereich vermittelt noch den Charme einer Markthalle. Hier werden viele vor der Küste gefangenen Fische angeboten. Riesige Thunfischsteaks zieren die Auslage, schwarze Degenfische und Papageienfische werden angeboten. Der Fisch wir in den angrenzenden Hallen verarbeitet, bevor er in die Haupthalle gebracht wird.

 

Unser Urteil: Nett anzuschauen, doch längst nicht das Highlight, wie in den Reiseführern beschrieben.

Da waren die kleinen Märkte und Feste in den Dörfern der Insel wesentlich interessanter - wie in Achadas da Cruz zum Beispiel ... diesen Besuch beschreiben wir unter der Bildergalerie.



Festival und Bauernmarkt in Achadas da Cruz auf Madeira

Auf der westlichen Inselseite von Madeira befindet sich in ca. 300 Metern Höhe der kleine Ort Achadas da Cruz. In Reisefüheren wird er nur erwähnt, da es hier eine Seilbahn von der Steilküste hinunter zum Meer gibt. Als wir den Ort besuchten fand dort ein Bauernmarkt statt. Es wurden Kühe, Ochsen, Geflügel und Schweine ausgestellt und prämiert, Blumenläden boten exotische Pflanzen an und Landmaschinenverkäufer zeigten ihre Neuheiten.

 

Trotz des Nieselregens und es leichten Nebels war der Markt sehr gut besucht und eine Glocke von Rauch mischte sich in den Nebel ein. Denn den größten Anteil an allen Ständen wiesen die allgegenwärtigen Grillstände auf.

Die Grillstände waren größtenteils gleich aufgebaut und boten zumeist auch die gleichen Produkte an: Rindfleischspieße, ganze gegrillte Hühner, Schinken und Wein. Wenn man einen Rindfleisspieß bestellte, drehte sich der Verkäufer um und schnitt von der hinter ihm hängenden (ungekühlten) Rinderhälfte ein Kilo Fleisch ab, zerteilte es auf dem als Tresen dienenden Biertisch vor den Augen des Kunden und spießte die Fleischstücke auf einen Eukalyptusast. Nach der Bezahlung von 4 Euro konnte man dann noch Meersalz und Kräuter aus einem Eimer auf deinen Spieß geben und dann ging man zur halben aufgeständerten Öltonne und konnte den Spieß selbst in dem Grill garen.

Wenn man lieber Huhn essen wollte, so konnte man sich ein ganzes Huhn an einem der anderen Grillstände bestellen. Das Huhn wurde dazu halbiert und auseinandergeklappt auf den Rost gelegt. Wenn es gar war, wurde es für den Kunden in handgerechte Stücke zerteilt und auf einer Serviette gegeben.

 

Wein gab es aus großen Regentonnen. Für die Gäste wurde dann jeweils ein Liter Wein in eine PET-Flasche abgefüllt - egal ob da vorher noch Cola, Fanta oder Olivenöl drin war.

Beim Besuch des Marktes von Achadas da Cruz war ein Gedanke immer präsent: "Portugal ist doch auch in der Europäischen Union ..." Wie die Verkäufer hier mit dem Fleisch umgehen und unter welchen hygienischen Bedingungen zubereitet und verkauft wird, würde manchem deutschen Lebensmittelkontrolleur spontan das Haupthaar ergrauen lassen. Nichtsdestoweniger war es ein toller Besuch eines Marktes, bei dem alle Besucher und auch wir zufrieden waren, weil es einfach spannend war und einfach so ganz anders als bei uns in Deutschland!